Viele Eltern sind sich nicht bewusst, wie stark Kinder Unterschiede in der Aufmerksamkeit wahrnehmen. Selbst kleine Gesten oder Worte können von Geschwistern als Zeichen der Bevorzugung interpretiert werden. Solche Situationen führen oft zu Konflikten, Rivalität und einem Gefühl der Ungerechtigkeit. Um dies zu vermeiden, ist es wichtig, die familiären Beziehungen bewusst zu gestalten und sicherzustellen, dass sich jedes Kind gleichermaßen wichtig fühlt.
Warum konkurrieren Kinder um die Aufmerksamkeit ihrer Eltern?
Jedes Kind braucht das Gefühl, wahrgenommen und wertgeschätzt zu werden. Wenn die elterliche Aufmerksamkeit ungleich verteilt ist, beginnen Geschwister, um ihr Gefühl der Wichtigkeit zu konkurrieren. Dies liegt oft nicht an einem Mangel an Liebe, sondern an natürlichen Unterschieden in den Persönlichkeiten und Bedürfnissen der Kinder. Ein emotional anspruchsvolleres Kind erhält möglicherweise mehr Unterstützung, was mit Bevorzugung verwechselt werden kann.
Der Wettbewerb um Aufmerksamkeit kann sich auch in Stresssituationen verstärken, beispielsweise nach der Geburt eines jüngeren Geschwisters. Ältere Kinder können dann Eifersucht empfinden und das Gefühl haben, ihre Position in der Familie sei bedroht. Ohne ausreichende elterliche Unterstützung können solche Gefühle zu Konflikten eskalieren.
Ungleiche Aufmerksamkeit führt nicht nur zu Spannungen zwischen Kindern, sondern auch zu Problemen mit dem Selbstwertgefühl. Daher ist es für Eltern entscheidend, Situationen, die als unfair empfunden werden könnten, aktiv vorzubeugen.
Wie lässt sich Bevorzugung in der Familie vermeiden?
Ein wichtiger Schritt ist, bewusst Zeit mit jedem Kind individuell zu verbringen. Schon wenige Minuten täglich, die nur einem Kind gewidmet werden, können Rivalitätsgefühle deutlich reduzieren. Kinder, die wissen, dass ihre Eltern sich Zeit für sie nehmen, vergleichen sich seltener mit ihren Geschwistern.
Auch Lob und Unterstützung gleichermaßen sind wichtig. Eltern sollten die Leistungen und Anstrengungen beider Kinder anerkennen, unabhängig von Alter und Fähigkeiten. Vermeiden Sie Vergleiche wie „Deine Schwester war schneller“ oder „Dein Bruder ist immer netter“, da solche Kommentare den Konkurrenzkampf verstärken.
Es kann auch hilfreich sein, klare Regeln für die elterliche Aufmerksamkeit festzulegen. Wenn beispielsweise festgelegt wird, dass, wenn ein Kind spricht, das andere wartet, bis es an der Reihe ist, wird gegenseitiger Respekt vermittelt und gezeigt, dass jeder das Recht hat, gehört zu werden. So fühlen sich Kinder nicht ausgeschlossen.
Wie kann man ein Gefühl von Fairness zwischen Geschwistern fördern?
Eltern sollten bedenken, dass Fairness nicht immer Gleichbehandlung bedeutet. Kinder unterscheiden sich in Temperament, Alter und Bedürfnissen, daher muss die elterliche Aufmerksamkeit auf die jeweilige Situation zugeschnitten sein. Es ist wichtig, Kindern die Gründe für diese Unterschiede offen zu erklären.
Auch Empathie gegenüber Geschwistern zu vermitteln, ist hilfreich. Wenn man darüber spricht, warum ein jüngeres Kind manchmal mehr Aufmerksamkeit benötigt oder warum ein älteres Kind mehr Verantwortung trägt, kann man besser verstehen, wie die Aufmerksamkeit in der Familie aufgeteilt ist.
Die Förderung von Kooperation statt Wettbewerb ist ein weiteres wichtiges Element. Eltern können Kinder ermutigen, an gemeinsamen Aktivitäten teilzunehmen, bei denen jeder eine Rolle spielt und sich wertgeschätzt fühlt. Solche Erfahrungen helfen ihnen zu erkennen, dass elterliche Aufmerksamkeit kein Preis ist, den man sich verdienen muss, sondern etwas, das man teilen kann, ohne sich verloren zu fühlen.
Kate Sonnenberg

